Vom Erklärbär (Ursus Explicator) für die gemeine Landratte (Rattus Terrestris)
Abfallen und Anluven
Beim Anluven wird der Bug durch Steuern näher zur Windrichtung (sprich nach Luv) gebracht, beim Abfallen in Gegenrichtung (sprich nach Lee).
AIS
Mit dem AIS (Automatic Identification System) senden moderne Boote ihren Namen, ihre Position, ihre Geschwindigkeit und ihren Kurs im Sekundentakt via VHF-Seefunk. Damit kann ein Empfänger auf einem anderen Boot Position, Kurs und Geschwindigkeit auf einem Plotter anzeigen und somit zur Vermeidung von Kollisionen beitragen. Schwierig ist, dass nicht alle Boote mit AIS ausgerüstet sind, man muss als Wachgänger daher trotzdem ganz klassisch Ausschau halten.
Am Wind und Vorwindkurs
Beim Kurs „vor dem Wind“ weht der Wind von hinten, das Boot liegt also quasi vor dem Wind. Beim „Am Wind“ Kurs kommt der Wind von diagonal vorne, der Bug liegt also nahe an der Windrichtung.
Autopilot
Der Autopilot ist eine Schubstange an der Steuermechanik, welche von einem Motor oder einer Hydraulik betrieben wird. Die Elektronik hierzu kann das Boot auf einem festgesetzten Kurs oder Windwinkel steuern. Der Autopilot ist das wichtigste Instrument um die Crew bei einer Blauwasserfahrt zu unterstützen, da ansonsten ständig per Hand gesteuert werden müsste.
Bimini und Sprayhood
Das Bimini ist die Überdachung des Cockpits, meist aus Segeltuch, als Schutz vor Sonne und Regen. Die Sprayhood ist dagegen quasi die Windschutzscheibe, bei uns auch aus Segeltuch mit Kunststofffenstern.
Fieren und Anholen
Das Nachlassen (Fieren) oder Anziehen von Leinen.
GPS
(Global Positioning System), ein Schwarm von 36 Satelliten, die um die Erde kreisen und über Funk präzise ihre Positionen angeben, sodass die genaue Position des Empfängers elektronisch berechnet werden kann. Die Positionsangaben haben eine Präzision von mehreren Metern. Wichtigstes (aber nicht einziges) Mittel zur modernen Navigation.
Gust und Squall
Eine Gust (deutsch: Böe) ist eine plötzliche Erhöhung der Windgeschwindigkeit, oft auch mit einer Änderung der Windrichtung. Die Squall ist die Durchquerung einer kleinen lokalen Wetterzelle (Wetterwolke) mit Gusts und oft Regen oder Starkregen. Squalls können oft im Wetterradar frühzeitig erkannt und dann ggf. umfahren werden.
Halse und Wende
Bei einer Halse wird solange abgefallen bis das Heck des Bootes durch den Wind dreht. In genau diesem Moment muss das Segel auf die andere Seite genommen werden, oder es droht das Überschlagen des Baums mit hohem Verletzungsrisiko (sog. Patenthalse).
Bei der Wende wird angeluvt, bis der Bug durch den Wind dreht. Hierbei kommt es vor, dass das Boot an Drehgeschwindigkeit verliert und „in der Wende hängenbleibt“, sprich diese nicht beenden kann. Dann muss ein neuer Anlauf genommen werden.
Knoten (Geschwindigkeit)
Maß für die Geschwindigkeit von Booten, Strömungen und Wind. Ein Knoten ist die Geschwindigkeit von 1 Seemeile pro Stunde.
In alter Zeit (so ab 1600) hat man die Geschwindigkeit eines Bootes durch eine Logge bestimmt. Das ist ein Brett, welches an einer Leine ins Wasser geworfen wurde. Die Leine läuft jetzt aus und die Länge der ausgelaufenen Leine gibt die Geschwindigkeit an. Die Länge wurde durch Knoten in der Logleine markiert, welche der Seemann erfühlen konnte. Nach alter Konvention wurde die Logleine so geknotet, dass ein Knoten eine Geschwindigkeit von einer Seemeile pro Stunde entspricht (genau waren es 7,71m pro Knoten für eine Messzeit von 15s). Das alte Logscheit ist offiziell verschwunden, wird aber von traditionellen Seglern immer noch verwendet (teils aber mit anderen Messprinzipien) da es keine Elektronik enthält und nicht so leicht kaputtgehen kann. Hier im Buch verwenden wir die Abkürzung kt. Wer ganz korrekt sein will verwendet für den Knoten das Einheitszeichen kn statt dem älteren kt aus der englischsprachigen Welt.
Länge und Breite
Koordinatenangaben um die Position eines Punktes auf einer Kugeloberfläche (wie die Erde) zu bestimmen. Die Breite zeigt den Winkel zwischen Äquator zur Punktposition (der Äquator liegt bei 0 Grad und die Pole bei 90 Grad nach Norden oder Süden). Die Länge ist der Winkel zwischen dem Nullmeridian bei Greenwich und der Punktposition in westlicher oder östlicher Richtung. Die Position von Cairns z.B. wäre: 16° 55′ 31.7676“ S und 145° 45′ 14.8320“ E, hier angegeben in Grad, Minuten und Sekunden.
Luv und Lee
Luv ist die windzugewandte Seite des Bootes, Lee die windabgewandte Seite.
Outhaul
Die Leine, welche das Großsegel an seiner hinteren unteren Ecke (genannt Clew) nach hinten spannt. Bei Segeln die im Mast aufgerollt sind, ist das die Leine, die das Segel aus dem Mast zieht.
Plotter
Gerät welches die Position mittels GPS ermittelt und auf einer elektronischen Seekarte darstellt. Alle Daten aus dem Bootsnetzwerk können auf dem Plotter dargestellt werden und Kurslinien (Tracks) vorbereitet werden.
Preventer
Preventer (zu Deutsch Bullenstander vom älteren Wort Bulien) sichern den Baum des Großsegels nach vorne ab, so dass er nicht bei plötzlichen Windrichtungsänderungen oder Fahrfehlern umschlagen kann. Dies ist besonders wichtig bei Vorwindkursen.
Saildrive
Teil des Motors der nach dem Getriebe aus der Rumpfwand nach unten herausragt und die Schiffsschraube trägt.
Scheinbarer und wahrer Wind
Fährt ein Fahrzeug durch die Atmosphäre so entsteht ein Wind entgegen der Fahrtrichtung. Dieser Wind ist relativ, d.h. er wirkt auf das Fahrzeug und kann im Fahrzeug gefühlt oder gemessen werden. Ein stillstehender Beobachter stellt hier keinen Wind fest. (Und nein, ich biege jetzt nicht zur speziellen Relativitätstheorie ab). Dieser Fahrtwind wird stärker, wenn die Geschwindigkeit sich erhöht. Daneben gibt es den atmosphärischen Wind als Wetterphänomen, genannt wahrer Wind, welcher von beiden Beobachtern wahrgenommen werden kann. Den gefühlten Wind an Bord des Fahrzeugs nennt man scheinbarer Wind und er setzt sich aus der Vektoraddition der beiden Windkomponenten (wahrer Wind und Fahrtwind) zusammen. Fährt man gegen den Wind so wird der scheinbare Wind stärker, fährt man mit dem Wind, so wird er schwächer. Moderne Navigationsinstrumente können beide Windgeschwindigkeiten messen und berechnen, indem sie Fahrtgeschwindigkeit und Richtung als Vektor von dem gemessenen scheinbaren Wind subtrahieren.
Schoten und Fallen
Gehören zum laufenden Gut und stellen die Position des Baums (Großschot) oder der Vorsegel (Vorschot) ein. Fallen holen Segel oder andere Gegenstände vertikal in Richtung Mastspitze (z.B. das Großfall setzt das Großsegel). Auch horizontale Kontrolleinen können als Fall bezeichnet werden, z.B. die Leine, die über den Furler das Vor- oder Großsegel aufrollt.
Seemannsknoten
Schlingtechnik um Leinen zu verbinden. Knoten müssen leicht zu schlingen, leicht zu öffnen und sicher bei Belastung sein. Es gibt hunderte von einzelnen Knoten. Auf einem modernen Segelboot bracht man aber nur ca. 4-5 verschiedene.
Seemeile
Die Seemeile wurde als eine Winkelminute auf dem Äquator (oder einem Meridian) der Erde festgelegt. Nimmt man den Umfang der Erdkugel von ungefähr 40.000 km, so teilt man nur noch durch 360×60 (Winkelgrad und Minuten) und erhält die Länge der Seemeile mit 1,852 km. Für alle die es nachgerechnet haben: die Rechnung stimmt so nicht ganz. Angegeben ist der genaue Wert, der auch berücksichtigt, dass unsere Erde halt nicht perfekt „rund“, sondern ein Ellipsoid ist. Korrekt ist die Verwendung der Abkürzung nm für den Begriff „Nautische Meile“ oder auf Deutsch sm.
Sextant
Gerät zur Winkelbestimmung zwischen Horizont und einem Himmelskörper. Dient zur konventionellen Bestimmung der Schiffsposition ohne elektronische Hilfsmittel, benötigt aber viel Gehirnschmalz, Übung und ein Tabellenbuch (Nautischer Almanach).
Sizilianisches Ankern
Eigene Wortschöpfung für Präzisionsankern auf engstem Raum. Ein Salut für die Italiener, die das meisterhaft beherrschen.
Steuerbord und Backbord
Steuerbord (engl. Starboard) ist nautisch für die rechte Seite des Schiffs in Fahrtrichtung, kommend von der Position von Ruder und Pinne bei älteren Schiffen. Das Gegenteil ist Backbord (engl. Port). Passend dazu war bei uns der bevorzugte Steuerstand ebenfalls an Steuerbord.
Survey
Begutachtung eines Bootes vor dem Kauf durch einen unabhängigen, vereidigten Sachverständigen.
Wanten und Stage
Wanten und Stage sind Drahtseile, die den Mast nach vorne und hinten (Stage) sowie nach seitwärts (Wanten) abspannen, damit er stabil stehen kann. Einzahl: das Want oder das Stag. Bei Wanten wird noch unterschieden zwischen dem Vorstag (vorne) und dem Achterstag (hinten). Je nach Takelage können noch weitere Arten von Stagen benannt werden. Wanten werden oft durch Salinge (engl. Spreader) vom Mast weggespannt. Beide gehören zum sog. „Stehenden Gut“, d.h. sie können in der Regel nicht durch Einholen oder Nachlassen verändert werden. Die Spannung der Wanten und Stage ist wichtig für Positionierung des Mastes und kann einen signifikanten Einfluss auf die Segeleigenschaften haben. Aus diesem Grund kann die Spannung des Achterstags bei Tanuki durch einen Mechanismus mit der Winschkurbel eingestellt werden.
Watermaker
Der Watermaker (deutsch: Wassermacher) ist eine Hochdruckpumpe, die Salzwasser durch eine semipermeable Membran pumpt und so entsalzt. Damit kann man auf hoher See Frischwasser erzeugen, wenn Frischwasser aus den Tanks des Bootes knapp wird. Man rechnet normalerweise bei Überfahrten mit einem Wasserverbrauch von etwa 8-10l pro Person und Tag, was durch die Verwendung von Salzwasser, z.B. zur Körperpflege, noch einmal deutlich reduziert werden kann. Damit wird die Wassersituation je nach Crewgröße schon bald kritisch. Mit dem Watermaker kann man also Energie (z.B. Solarstrom) in Frischwasser verwandeln.
Whisker Pole
(Deutsch.: Spinnaker-Baum, Spibaum) zusätzlicher Baum (horizontale Stange), der ausgebracht wird um das Vorsegel oder ein Leichtwindsegel (Spinnaker oder ähnlich) mehr seitlich auszubringen. Benutzt auf Vorwindkursen um Wind von achtern einzufangen.
Windrichtung
Die Richtung aus der der Wind kommt. Kann als Kompassrichtung (z.B. der Wind kommt aus SSW) oder als Gradrichtung zum Bug (Windwinkel: z.B. der Wind kommt aus 60 Grad von Steuerbord) angegeben werden. Letztere ist relativ zur Fahrtrichtung, bezeichnet aber die Lage des Boots zum Wind und ermöglicht damit effizientes Segeln. Windwinkel werden gerne bei der Programmierung des Autopiloten verwendet.
Segelboote haben mechanische (muss man halt draufschauen) oder elektronische Windgeber, die die Windrichtung und Windstärke am oberen Ende des Großmastes bestimmen und an Navigationsinstrumente wie z.B. Autopilot weiterleiten.
Winsch
Trommel die mittels Handkurbel oder Motor betrieben wird und benötigt wird um laufendes Gut (siehe Schoten und Fallen) einzuholen oder kontrolliert zu fieren. Auch die Ankerkette wird über eine Winsch eingeholt.